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| Ausgangspunkt von "Rattaplasma 2" ist die Überlagerung verschiedener Tempoebenen. Diese Tempopolyphonie hat Martin Schlumpf hier mit sechs Stimmen realisiert, welche paarweise auf drei Grundebenen bezogen sind. Das Verhältnis der metrischen Einheiten dieser Grundebenen ist 5 : 7 : 11, die Auswahl der realen Grundtempi beträgt MM=70, MM=110 und MM=154. Bei diesen Annahmen treffen alle drei Grundebenen nach 77 Einheiten in der raschesten, nach 55 Einheiten in der mittleren und nach 35 Einheiten in der langsamsten Ebene wieder genau zusammen. Wird ein solcher Abschnitt zwischen vollkommenen metrischen Koinzidenzen aller Stimmen als Proportionsperiode bezeichnet, so ergibt sich mit den angenommenen Tempoverhältnissen für die Gesamt-Proportionsperiode der drei Tempoebenen die Länge von genau 30 Sekunden (00:30). Grossformal ist "Rattaplasma 2" so gebaut, dass das Grundverhältnis von 5 : 7 : 11 auf verschiedenen Ebenen anzutreffen ist: Jede der sechs Stimmen, wobei eine der Solo-Klarinette zugeteilt ist (Primus inter pares), ist also vom Anfang bis zum Ende durch eine von Zeit zu Zeit wechselnde Sekundärmetrik (z.B. Achtelstriolen, punktierte Viertel, etc.) ge- prägt. In einem metrischen Grundplan hat Martin Schlumpf diese sechs Stimmen aufgezeichnet und ihre Koinzi- denzen, d.h. das präzise Aufeinandertreffen jeder Stimme mit jeder anderen, eingetragen. Auf dieser strengen metrischen Grundlage hat Martin Schlumpf das Stück derart komponiert, dass fast immer Koinzidenzpunkte zum Angelpunkt seiner Formulierungen wurden. Durch dieses ständige Herausarbeiten der kurzen Übereinstimmungsmomente zweier Stimmen ergibt sich beim Hören überraschend oft der Eindruck von "Gemeinsamkeit" und nicht so sehr derjenige des "Andersseins", was durch die temporale Verschiedenheit eigentlich zu erwarten wäre. Konzentriert man sich aber auf eine Stimme allein, so lässt sich relativ oft ihre eigen- ständige Grundmetrik heraushören, die sie von den anderen Stimmen abhebt (allerdings sind wir nicht sehr gewohnt, metrische Differenzierungen im Sinne dieser Überlagerungstechnik genau wahrzunehmen, das tradi- tionelle Musikhören bietet auch kaum Beispiele dafür). Das Besondere von "Rattaplasma 2" ist aber nicht zuletzt auch das Zusammenspiel von live gespielter Klarinette mit einem aus Lautsprechern zu den Zuhörern gelangenden Klangstrom. Der Klarinettenpart muss dabei aus einsichtigen Koordinierungsgründen mit einem Clicktrack im Ohr ausgeführt werden. Die fünf übrigen Stimmen hat Martin Schlumpf in seinem Studio in Würenlingen mit Hilfe des Sequenzer-Pro- gramms "Studio Vision" von Opcode, den Klangexpandern Korg O1R/W, Roland XP-50 und E-mu Proteus 2000, sowie einer eigenen Sampling-Bibliothek, die via virtuellen Sampler Unity DS-1 läuft, hergestellt. Bei einer Live-Aufführung wird der ganze Computerteil nach dem sog. Ambisonic-Verfahren im gesamten Raum rund um die Zuhörer verteilt, was die Durchhörbarkeit der z.T. dichten Klangbilder wesentlich steigert. In dieser Form kann das Stück sozusagen im Original gehört werden. Die Hörprobe ist im MP3-Format gespeichert. Für das Anhören wird z.B. der kostenlose Apple QuickTime Player benötigt, der auf der Homepage des Herstellers heruntergeladen werden kann. © Martin Schlumpf · Alte Endingerstrasse 4 · 5303 Würenlingen |